Gespräche mit Einwohnern sind gegenwärtig die Hauptbeschäftigungen von Sven Gabriel (FDP). „Ich suche gern den direkten Kontakt. Wenn ich den Leuten zuhöre, erfahre ich so viel Wichtiges“, sagt der 31-Jährige, der heutevsein Amt als Bürgermeister von Kirschau antritt. Anders als für seinen Vorgänger Dietmar Sußig (FDP) ist es für ihnvein Ehrenamt. Für einen hauptberuflichen Bürgermeister hat die Gemeinde nicht genug Einwohner.
Kein Feierabend-Job
Sven Gabriel wird die Funktion dennoch nicht „mal schnell nach Feierabend“ wahrnehmen. „Ich habe die Hälfte dervWoche dafür geplant“, sagt er. Im Rathaus anzutreffen ist er täglich. Als betriebswirtschaftlicher Berater erledigt der Selbständige unter anderem in Krankheitsvertretung die Haushaltsführung für Crostau. Das tut er von der Kirschauer Kämmerei aus. Obwohl Sven Gabriel in Großpostwitz wohnt, wo er das Haus seiner Oma übernommen hat, ist er in Kirschau kein Unbekannter. Er stammt aus Rodewitz, hat während des Studiums als Rettungsschwimmer in der „Körse-Therme“ gejobbt. Musikinteressierte kennen ihn vom KesselhausLager Singwitz, wo er sich unentgeltlich engagiert. Doch dafür bleibt Sven Gabriel, der sich als Mitglied des neuen Kreistages „für das Oberland stark machen“ will, nun wohl wenig Gelegenheit, ebenso für Tennis, Lesen, Radtouren, Gitarre-Spielen.
Keine Zeit hat er auch, um sich in Ruhe ins Bürgermeisteramt einzuarbeiten. Weil sein Vorgänger vor einigen Monaten aus Krankheitsgründen ausschied, ist Sven Gabriel vom ersten Tag an voll gefordert. „Wir müssen die Schulsanierung zu Ende bringen“, nennt er eine aktuelle Aufgabe. Außerdem beschäftigen ihn Finanzierung und Abrechnung getätigter Investitionen, wie die Erneuerung von Mehrzweckhalle und Kirche. Für 2008 hat er einiges vor: „Ich will sehen, wie die Organisation in der Verwaltung optimiert werden kann und möchte mit den Gemeinderäten eine Ortsbegehung machen.“ Für das kommende Jahr will Sven Gabriel eine Prioritätenliste erarbeiten. Für ihn steht das einstige Vegro-Gelände an erster Stelle. Örtliche Firmen sollen sich dort erweitern, neue ansiedeln. Wichtige Themen sind auch die ausgebuchte Kindertagesstätte, der Wunsch nach einer altengerechten Wohnanlage, die touristische Vermarktung der Burg-Ruine. „In welcher Reihenfolge wir das angehen, möchte ich mit dem Rat abstimmen. Und ich hätte auch gern, dass die Bevölkerung dahinter steht“, sagt der Bürgermeister. Denn sein großes Ziel ist, die Stimmung in Kirschau zu heben. „Wir können auf vieles stolz sein. Aber das spiegelt sich nicht wider.“
Klärungsbedarf
Bei der geplanten Vereinigung mit Wilthen vertritt Sven Gabriel die Linie, alle wichtigen Dinge einheitlich zu regeln. „Wie soll sonst ein Zusammengehörigkeitsgefühl wachsen?“, fragt er rhetorisch. Vor allem bei der Klage Wilthens auf Austritt aus dem Abwasserzweckverband sieht er noch Abstimmungs- und Klärungsbedarf. „Klare Zeichen wären zum einen das Fallenlassen der Klage und zum anderen der schnelle Beitritt der Stadt zum Bäderzweckverband, damit auch die Wilthener in der Körse-Therme Rabatt bekommen.“