Eine Kanadierin hängt von der hohen Decke herab und redet mit den Zuschauern. Eine aus deutsche Fahne aus 120Luftballons wird mit Haartrocknern, die das Publikum bedient, zum Wehen gebracht. Ein tschechischer Künstler malt mit Feuer und Rauch an die Zimmerdecke. – Dies und noch viel mehr ist bald in Kirschau zu erleben. Die Kunstinitiative ObART veranstaltet zu Pfingsten unter dem Titel „grenzART1“ ein internationales Performance-Festival.
Performance ist laut Internet-Enzyklopädie Wikipedia „eine situationsbezogene, handlungsbetonte und vergängliche künstlerische Darbietung“. Stephanie Werth, Sprecherin von ObART, ergänzt: „Der Künstler kreiert sein Werk direkt vorm Publikum. Eine Beziehung zwischen Performer und Zuschauer wird aufgebaut“. Wie das aussehen kann, erleben Besucher vom 22. bis 24. Mai an der Friesestraße. Im WerkIV, einer ehemaligen Grobgarnspinnerei, finden an allen drei Tagen ab 14 Uhr auf drei Etagen 40 verschiedene Performances statt. „Wir haben 70Künstler aus zehn Ländern da, unter anderem aus Polen, Italien, Taiwan und Großbritannien“, berichtet Stephanie Werth. Einige Aktionen dauern nur Minuten, andere mehrere Stunden. Und manche Performance entwickelt sich erst vor Ort. „Es sind auch für mich Überraschungen dabei“, sagt Mike Salomon, Vorsitzender der Kunstinitiative und künstlerischer Leiter von obART. – Auf Überraschungen sollten auch die Einwohner und Gäste Kirschaus gefasst sein. Einige Performances finden im Freien statt. Mögliche Orte sind die Burgruine und der Dreiländerstein. Abends gibt es Live-Musik; am Sonnabend mit der polnisch-deutschen Band BlueXpress, am Pfingstsonntag mit dem Universal Druckluftorchester Dresden. Zur Abschlussparty am Montag spielt der Wilthener Jens Vetter am elektronischen Theremin, das durch Veränderung des Hand-Abstandes zu zwei Antennen zum Klingen gebracht wird. Außerdem sind Künstler und Publikum zum Musizieren aufgerufen.
Die Performer bekommen für ihre Arbeit in Kirschau kein Honorar. „Es ist nicht so, dass wir nicht wollen, dass sie was verdienen. Aber das beantragte Geld wurde nicht genehmigt“, erklärt Mike Salomon. Auch bei der Unterbringung müssen die Künstler mit einfachen Bedingungen vorlieb nehmen. Sie schlafen in der Kunst-Villa an der Waldstraße in Mehrbettzimmern oder in großen Zelten im Garten. Dennoch ist der Andrang groß. Die 70 Teilnehmer wurden aus über 120 Bewerbungen ausgewählt. – Nun hoffen die Organisatoren auch auf viele Besucher. „Mein Ziel ist es, mit dem Performance-Festival zu Pfingsten und den Hörkunsttagen Anfang Juli bis zu 5000Leute herzukriegen“, sagt Mike Salomon. Eintritt wird nicht verlangt. „Wir erheben vielmehr einen Austritt. Die Höhe legt jeder Gast beim Verlassen des Werkes IV fest“, sagt Stephanie Werth.
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